PETRA JAKOB
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Skulpturen und Objekte

O.T. Thujenholz, 4 Skulpturen,

O.T. Äste, Eisen, Acryl

Tischlein-denk-dich, Eisen, Pergament

Text zum Objekt: Handschrift

Stell dir vor, wie Wassermoleküle würden deine Gedanken kondensieren, sich zu Buchstaben und Wörtern verdichten, zu Sätzen ordnen, die, Rinnsalen gleich, zusammen fließen, um sich zu einem Ganzen zu vereinigen. Wasser folgt der Schwerkraft und fliesst dem Erdmittelpunkt zu. Durch Erwärmung in Dampf verwandelt steigt es auf, ballt sich zu Wolken zusammen, die die Sonne verdunkeln und kehrt als Niederschlag zur Erde zurück. Auch Gedanken wechseln, beeinflusst von Klimaschwankungen des Daseins, die Richtung. Sie unterliegen dem unentwegten Auf und Ab der Gefühle, neigen ohne achtsame Aufsicht wie wilde Hunde zum Streunen und treiben dann manchmal arges Unwesen. Im Prozess des Schreibens können sie sortiert und geordnet, im Zweifel auch im Papierkorb entsorgt und aus dem Verkehr gezogen werden. Eine Hand, die Feder führend, hat die Kraft, sie zu zähmen und ihrer Flüchtigkeit zu berauben, indem sie wie ein Seismograph auf dem Papier ein rhythmisches Muster anlegt, in einem Code, der für alle Kundigen lesbar ist. Liegt ein Manuskript, ein Tagebuch oder ein Brief vor dir, ist, schon vor dem Entziffern des Inhalts, das Betrachten des Schriftbildes ein Blick hinter die Kulissen des Verfassers. Die Individualität einer Handschrift ist wie ein Wellenmuster auf dem Wasser, geschaffen von wechselnden Winden. In unserer beschleunigten, intensiv bewirtschafteten Zeit werden handgeschriebene Texte seltener und gelten als bedrohte Spezies: zu umständlich, zu langsam, kompliziert zu reproduzieren und zu versenden, weichen sie unabänderlich der Digitalisierung. Ist ihr Verschwinden nicht auch ein Symptom für die Flaute in den Köpfen? Wenn unser Denken zukünftig nur noch digital dokumentiert wird, wird sich die sprachliche Formulierung einem neuen Pragmatismus unterwerfen, flacher werden und am Ende auch die geistige Vielfalt verkümmern lassen.